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Pflanzliche Abmagerungsmittel/Appetitzügler/Antiadiposita


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Homöopathika


Pflanzliche Abmagerungsmittel/Appetitzügler/Antiadiposita


Phytotherapeutika werden international immer beliebter.

Dies beruht nicht zuletzt auf der irrigen Annahme, dass „natürlich“ zwangsläufig „nebenwirkungsfrei“ bedeutet.

An einzelnen Beispielen wird aufgezeigt, dass Phytotherapeutika mit allergischen Reaktionen, toxischen Nebenwirkungen, ungewollten pharmakologischen Reaktionen, mutagenen beziehungsweise karzinogenen Effekten assoziiert sein können.

Daten aus den USA zeigen zwischen 1990 und 1997 eine Zuwachsrate von 380 Prozent, und in Deutschland greifen 65 Prozent aller Menschen zu Naturheilmitteln.

In Anbetracht dieser weltweit zunehmenden Popularität von Phytotherapeutika ist es unumgänglich nach den Risiken zu fragen, die diese Therapieformen mit sich bringen können. Dies scheint ein Thema zu sein, welches sträflich vernachlässigt wird - unter anderem vielleicht aus folgenden Gründen:

Die Bevölkerung nimmt an, dass „natürlich“ automatisch „ungefährlich“ bedeutet, die Proponenten der Phytotherapie tendieren dazu, die Nebenwirkun-gen zu verharmlosen und die Gegner der Phytotherapie lehnen sie häufig als unwirksam ab und negieren damit indirekt auch potentielle Gefahren.


Prinzipiell können folgende Nebenwirkungen der Phytotherapie unterschieden werden:
  • allergische Reaktionen
  • toxische Effekte
  • ungewollte pharmakologische Effekte
  • mutagene beziehungsweise kar-zinogene Effekte
  • Interaktionen mit anderen Medikamenten
  • durch Kontamination verursachte Effekte
  • durch Mißidentifikation verursachte Effekte



Für alle diese Möglichkeiten werden im folgenden einige wenige prägnante Beispiele gegeben:

Allergene Pflanzen:
  • Agnus castus Angelika Anis
  • Arnika
  • Artischocke
  • Hopfen Johanniskraut
  • Kamille
  • Knoblauch
  • Mutterkraut
  • Pulsatilla
  • Rosmarin
  • Wachholder
  • Zimt
Allergische Reaktionen Im Prinzip sind allergische Reaktionen auf alle Pflanzenextrakte möglich. Allergien sind häufiger und verlaufen dramatischer, falls eine Sensibilisierung voranging.

Generell sind natürlich parentale Applikationen gefährlicher als orale Gaben. Diese Faustregel trifft jedoch nicht immer zu. Ein kürzlich publizierter Fall zeigt zum Beispiel, dass eine anaphylaktische Reaktion auch nach enteraler Applikation (in diesem Fall von einem Echinacea-Präparat) erfolgen kann.

Die wohl häufigsten ernsten toxischen Effekte von Phytotherapeutika betreffen die Leber. Hepatotoxizität ist belegt unter anderem für folgende pflanzlichen Arzneimittel:

Fenchelholz (beliebt bei Rheuma), Beinwell, (als entzündungshemmendes Mittel verwendet), Pennyroyal (als Karminativum empfohlen), Pflanzen, die Aristolochiasäure enthalten, sind nephrotoxisch. Verschiedene chinesische pflanzliche Mittel sind mit hepato- und kardiotoxischen Reaktionen assoziiert worden.


Ungewollte pharmakologische Effekte:

Bestimmte phytopharmakologische Aktivitäten von Phytotherapeutika stellen einerseits einen gewollten pharmakologischen Effekt des jeweiligen Mittels dar, andererseits können sie bei bestimmten Indikationsstellungen auch eine unerwünschte Nebenwirkung beinhalten. Zum Beispiel besitzen einige Pflanzen, wie Cimicifuga, Ginseng und Sägepalme östrogene Aktivität, die potentiell mit Nebenwirkungen assoziiert ist.

Andere Pflanzen besitzen gerinnungshemmende Wirkungen. Hierzu gehören Alfalfa, Angelika, Anis, Arnika, Asafötida, Ginkgo biloba, Kamille, Knoblauch und Mutterkraut.


Mutagene Effekte:

Klassisches Beispiel für mutagene Effekte von Phytotherapeutika sind Pflanzen der Spezies Aristolochia. In Belgien wurde (wohl aufgrund einer Verwechslung) in einem chinesischen „Abmagerungsmittel“ pflanzlichen Ursprungs Aristolochia fangchi verwendet, welches bei zahlreichen Patienten zunächst zu nephrotoxischen Erscheinungen führte, die in über 30 Fällen tödlich verliefen.

Bei den Überlebenden wurde in der Folge ein erhöhtes Krebsrisiko beobachtet. Ähnlich gelagerte Zwischenfälle sind auch in Japan beobachtet worden. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, daß für einige sogenannte „essentielle“ Aromatherapie-Öle Mutagenität in diversen Testmodellen belegt wurde.


Arzneimittel-Interaktionen:

Dieser wenig erforschte Bereich ist äußerst komplex und potentiell bedeutsam. Patienten, die pflanzliche Mittel einnehmen, sind oft chronisch krank und nehmen daher häufig zusätzlich synthetische Medikamente ein. Zwei Fälle von Patienten, die Ginkgo biloba (ansonsten relativ risikoarm) einnahmen, dienen hier als Beispiel.

Inhaltsstoffe von Ginkgo biloba inhibieren die Thrombozyten-Aggregation. Bei gleichzeitiger Gabe von Antikoagulantien kann es daher zu gefährlichen Blutungen kommen. Ähnliche Interaktionen wurden für chinesische Phytotherapeutika beschrieben. Pflanzliche Beruhigungsmittel können die Effekte anderer Sedativa potenzieren. Es wurde von einem Fall berichtet, bei dem die gleichzeitige Einnahme von Kava und Alprazolam zu einer Übersedierung bis hin zu einem komatösen Zustand führte.


Kontaminationen:

Zu diesem Thema existiert um-fangreiche Literatur. Vor allem asiatische Pflanzenpräparate, die vom „grauen Markt“ stammen, sind relativ häufig kontaminiert. Die Liste der toxischen Kontaminationen reicht von Aluminium über Arsen, Cadmium, Blei, Quecksilber, Thallium bis hin zu Zink. Sowohl Schwermetalle als auch potente Pharmaka, zum Beispiel Digitalis, sind in Phytotherapeutika gefunden worden.

In einem groß angelegten Screening wurden 2609 Proben chinesischer Kräutermixturen gesammelt und analysiert. 24 Prozent aller Proben waren kontaminiert, zumeist mit potenten Synthetika. Es wurden in dermatologischen Ambulanzen in London frei verkäufliche chinesische „pflanzliche“ Externa untersucht. In acht von elf Fällen wurde Dexametason in Konzentrationen bis zu 1500 µg pro g nachgewiesen.

Ayurvedische Mittel enthalten häufig Schwermetalle. In dieser traditionellen indischen Medizin wird angenommen, dass speziell vorbehandelte Schwermetalle gesundheitsförderliche Effekte aufweisen. Europäische Arzneipflanzen werden häufig in großem Stil angebaut. Es ist daher eine interessante, jedoch kaum untersuchte Frage, ob die dabei verwendeten Pestizide und Herbizide in den Phytotherapeutika wiederzufinden sind und, falls dem so ist, mit welchen gesundheitsrelevanten Effekten zu rechnen ist.


Missidentifikation:

Hier sind die oben bereits erwähnten belgischen Opfer eines chinesischen Abmagerungsmittels aufzuführen.

Weitere Beispiele aus der neueren Literatur sind Yohimbin-und Ginseng-Präparate. In beiden Fällen wurde das relativ teure pflanzliche Rohmaterial durch billigere Stoffe ersetzt. Daß solche Praktiken zu unerwünschten Nebenwirkungen führen können, liegt auf der Hand.

Die (leider weitverbreitete) Meinung, Phytotherapeutika seien frei von Nebenwirkungen, ist mit Sicherheit falsch. Fest steht, dass einige Arzneipflanzen mit potentiell ernsten Nebenwirkungen belastet sind und dass wir in vielen Fällen nicht sicher wissen, zu wievielen Zwischenfällen dieses Potential führt.

Andererseits ist nachgewiesen, dass einige Phytopharmaka im direkten Vergleich mit etwa ebenso wirksamen Synthetika bezüglich ihres Nebenwirkungsprofils deutlich besser abschneiden. Derartiges ist zum Beispiel gut belegt für Johanniskraut (Hypericum) und das pflanzliche Kombinationspräparat Bronchipret.

Verallgemeinerungen sind daher unangebracht. Jedes pflanzliche Arzneimittel sollte auf der Basis der jeweiligen Datenlage beurteilt werden.

Dort, wo die Daten unvollständig sind, müssen die Lücken möglichst rasch gefüllt werden. Bezüglich der Art und Qualität der Daten sollte gelten, dass in der Medizin nicht mit zweierlei Maß gemessen werden sollte. Die Beweislast bezüglich der Unbedenklichkeit liegt bei denjenigen, die für eine bestimmte Therapieform eintreten und davon profitieren. Ärzte, Pharmazeuten und andere Heilberufe tragen die Verantwortung, die Bevölkerung über die potentiellen Gefahren von Phytopharmaka in sachlicher Form aufzu-klären.

Es geht hier nicht um emotionale Befürwortung oder Gegnerschaft sondern um das Wohl der Menschen.


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